RWE: Nicht Energiewende, sondern Rezession trägt Hauptschuld an Strompreisverfall

Die Energiekonzerne leiden gewaltig unter dem Verfall des Strompreises. Davon kommt zwar nichts beim Verbraucher an, weil die EEG-Umlage und andere Belastungen für Privatverbraucher die günstigeren Preise überkompensieren, aber für den Betrieb eines Kraftwerks ist das irrelevant. Dort herrscht das Diktat des Stromgroßhandels. Und dort haben sich die Preise seit 2008 etwa halbiert. Die Energiekonzerne, nicht nur die Großen Vier, sondern auch viele Stadtwerke, leiden unter massiven Einbußen. Gaskraftwerke decken ihre Kosten nicht mehr. Selbst abgeschriebene Atommeiler sind nun eher ein Klotz am Bein. Und weil deshalb zahlreiche fossile Kraftwerke eingemottet oder endgültig geschlossen werden sollen, wird über einen Kapazitätsmarkt diskutiert, der sie am Leben erhält, damit nicht die Lichter ausgehen.

Aber was ist eigentlich die Ursache des Rekord-Strompreisverfalls? Eine gängige Erklärung der Entwicklung lautet: Die steigenden Mengen an erneuerbarem Strom, die ins Netz eingespeist werden, sind schuld am Preisverfall. Die zweite Ursache: Die Finanzkrise in Europa hat die Stromnachfrage deutlich gedämpft. Drittens: Die Stromkonzerne haben zu viel gebaut und hohe Überkapazitäten bei fossilen Kraftwerken geschaffen. Das Problem an der Sache: Selten wird das ausgewogen dargestellt. Oft wird suggeriert, vor allem die Erneuerbaren seien Schuld an der Entwicklung. Hier zum Beispiel von den Stadtwerken.

RWE-Chefökonom Graham Weale gab kürzlich beim European Power Summit von Platts einen Einblick, was der Energieriese über die Ursachen denkt. Und siehe da: RWE sieht bei den erneuerbaren Energien die geringere „Schuld“. Laut der Präsentation von Greene lag die Stromproduktion fossiler Kraftwerke in Deutschland zuletzt 15 Prozent unter dem Wert, der 2005 prognostiziert wurde. Und wie verteilt sich dieser Volumeneinbruch? RWE sagt: Er liegt er zu 60 Prozent an der Rezession und nur zu 40 Prozent am schneller als vorgesehenen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Interessant ist auch eine Erklärung von RWE für das niedrige Preisniveau, die durch Feinheiten des Merit-Order-Effekts entsteht (eine gute Einführung dazu hier): Die Kurve der preissetzenden Kraftwerke verläuft flacher als früher. Das liegt am niedrigen Preis für Kohle und für Verschmutzungsrechte. Beides hat, wenn ich Graham Weale in diesem Punkt richtig verstanden habe, dazu geführt, dass effiziente Kohlekraftwerke nicht so viel billiger produzieren können als ineffiziente Kraftwerke. Wenn also der Preis gerade durch ein teures, schmutziges Kohlekraftwerk gesetzt wird, verdienen die „besseren“ Kohlekraftwerke nicht so viel Geld wie vor ein paar Jahren zu erwarten war.

Die Präsentation lässt aber auch erkennen, dass sich die Energieriesen schlicht verkalkuliert haben. Ausgerechnet 2008 und 2009 pumpten die Großen Vier (RWE, Eon, Vattenfall, EnBW) mit fast 30 Milliarden Euro pro Jahr gewaltige Investitionen in den Energiemarkt, vor allem in fossile Anlagen. Nun fällt die Summe auf ein Drittel dieses Wertes, weil die Gewinne einbrechen. Da braucht es dann keine großen Erklärungen mehr: Mit Vollgas in die Krise zu investieren war eine klassische, prozyklische unternehmerische Fehlentscheidung, wie sie im Wirtschaftsleben auch in anderen Branchen häufig genug vorkommt.

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3 comments for “RWE: Nicht Energiewende, sondern Rezession trägt Hauptschuld an Strompreisverfall

  1. Craig Morris (@PPchef)
    13. Mai 2014 at 11:04

    Ich nehme an, das PDF von RWE ist nicht online?

  2. schlandt
    13. Mai 2014 at 16:46

    Hallo Herr Morris,

    ich habe Ihnen eine Twitter-Nachricht geschickt.

    Viele Grüße,

    Jakob Schlandt

  3. Die wahre Energiewende
    15. Mai 2014 at 22:02

    Welche Rezession? Das Stammland von RWE ist doch immer noch Deutschland. Dort gab es nach 2008/2009 keine Rezession. Fakt ist eher, dass der Brutto-Inlandsstromverbrauch vom Höchststand 2007 (621,5 TWh) auf mittlerweile 599,8 TWh in 2013 gefallen ist (www.ag-energiebilanzen.de). Das ist meiner Meinung nach der Kombination aus Effizienzmaßnahmen und steigenden Preisen (zumindest für einen Teil der Verbraucher) geschuldet.

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