Sonnenfinsternis 2015: And the winner is… die Energiewende-Diskussion!

Die sogenannte SoFi hat die Öffentlichkeit in Atem gehalten. Für die einen war es ein spektakuläres Naturschauspiel. Für die Energiewende-Diskussion war die SoFi jedoch von herausragender Bedeutung. Wie kommt das Stromnetz damit klar, dass die Leistung der Photovoltaikanlagen deutlich schneller fällt bzw. steigt, als es bei morgen- und abendlicher Dämmerung der Fall ist? Sinkt bzw. steigt die Frequenz in kritische Bereiche, sodass es zu einem Blackout kommt? Natürlich beschränkte sich die Diskussion nicht auf die spannenden physikalischen Aspekte, sondern die SoFi wurde für die Energiewende-Diskussion vereinnahmt und instrumentalisiert; ob nun konventionelle Kraftwerke versus Erneuerbare, Netzausbau ja oder nein … Je näher die SoFi kam, desto polemischer wurde es. Wir halten fest: es war spannend, letztlich aber kein Problem. Beide „Seiten“ werden die Sonnenfinsternis natürlich für sich beanspruchen. „Grenzwertige Belastung der Netze“ und „Wir brauchen neue Netze“ versus „Unnötige Panikmache“ und „Die Netze reichen doch“. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Diese Einschätzung sollte man technisch kundigen Experten überlassen. Diese haben weit im Vorfeld der SoFi immer betont, dass die SoFi beherrschbar ist, dass sich die Netzbetreiber aber gewissenhaft darauf vorbereiten müssen.

Es gibt aber dennoch einen großen Gewinner: die Energiewende-Diskussion. Denn die SoFi hat eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende – die Auswirkung der fluktuierenden EE auf die Netzstabilität – einer breiteren Öffentlichkeit nahe gebracht, die sich von solchen trockenen Energiewende-Themen normalerweise fernhält. Plötzlich schauten viele – der Autor eingeschlossen – gebannt auf Livebilder, die die Frequenz im Stromnetz anzeigten. Kaum ein Medium – Online oder Print – hatte nicht auch einen Live-Berichterstattung oder Live-Schaltung zu Netzbetreibern, um die entscheidende Frage „Fällt oder steigt die Frequenz über die kritischen Marken?“ direkt zu beantworten. Um es in der Mediensprache zu halten: Die Stromnetz-Frequenz war ein „Blockbuster“ mit besten Einschaltquoten. Kein Experiment im Physikunterricht hätte spannender sein können.

Die Sonnenfinsternis hat also nicht nur dazu geführt, dass die Verantwortlichen wie Netzbetreiber, Bundesnetzagentur und andere Institutionen wichtige Erfahrungswerte sammeln konnten. Sie hat auch zu einem besseren Problembewusstsein und Verständnis in einer breiteren Öffentlichkeit geführt. Deswegen muss man sich nicht die nächste SoFi oder den nächsten windstillen und sonnenarmen Heiligabend wünschen. Aber die Sonnenfinsternis hat einmal mehr gezeigt: Energiewende ist sehr spannend!

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2 comments for “Sonnenfinsternis 2015: And the winner is… die Energiewende-Diskussion!

  1. 20. März 2015 at 19:06

    Die SoFi hat auch gezeigt, dass wir einen enormen Stromüberschuss haben, der durch Exportminderung leicht die PV ausgleichen konnte. Dies ist beruhigend, wenn wir zu dem Thema des schrittweisen Kohleausstiegs kommen. Die Netzbetreiber haben Respekt für ihre technische Leistung verdient.

  2. 21. März 2015 at 00:52

    Die Netzbetreiber haben Hochachtung für die gute Vorbereitung verdient. Tatsächlich mussten sie dann zum Glück nicht so viel leisten. Es musste kaum mehr Regelenergie abgerufen werden als sonst auch. Das heißt, dass die Vermarkter des PV-Stroms ihren Job gut gemacht und ihre Bilanzkreise ausgeglichen gehalten haben.

    Das ist das Bemerkenswerte: Die vorsorglich beschaffte Sicherheit der Netzbetreiber wurde nicht benötigt. Die „erste Stufe“, nämlich der Ausgleich der Bilanzkreise durch den Handel hat funktioniert. Dafür war im Intraday-Handel übrigens ganz schön Bewegung. Es gab heftige Preisausschläge von Viertelstunde zu Viertelstunde.

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