Sicher sind nur die Milliarden für Offshore-Wind

Die Koalitionsverhandlungen bedeuten gewaltige Unsicherheit für fast alle in der deutschen Strombranche. Wie geht es weiter mit der Förderung von Bioenergie? Was passiert mit der Vergütung für Windkraft an Land? Wann und in welcher Form kommt ein Kapazitätsmarkt, kann deutscher Ökostrom in Zukunft noch direkt vermarktet werden? Alles Fragen, die derzeit noch offen sind. Und alles Fragen, die für die Betroffenen bedeuten, dass sie nur kurzfristig planen können.

Nur eine Branche bekommt mal wieder eine Extrawurst: Die Offshore-Windenergie. Am heutigen Donnerstag gab es ein Pressestatement von Umweltminister Peter Altmaier und Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil, zahlreiche Meldungen sind online. Demnach wird das sogenannte Stauchungsmodell, nach dem es für acht Jahre 19 Cent pro Kilowattstunde Offshore-Windstrom gibt, noch einmal um zwei Jahre verlängert werden, bis 2019. Und ansonsten gilt weiter das warme Wohlfühlpaket für Offshore, das von Schwarz-Gelb geschnürt wurde und gut gegen fieses Wetter auf der Nordsee schützt. Dazu gehört: Die Degression der Vergütung beginnt erst ab 2018 (wenn Solar wohl längst kein Geld mehr erhält, Biomasse auch nicht und Windkraft an Land schon nach derzeit geltendem Gesetz etwa sieben Prozent weniger als jetzt). Fehlt der Netzanschluss, werden die Investoren in Offshore-Wind fast vollständig entschädigt (dafür ist die Offshore-Umlage da, die die Netzbetreiber gegen die Zahlungen „versichert“). Und Kredite für Investoren von der Staatsbank KfW gibt es obendrauf.

Der Verbraucherschützer Holger Krawinkel beklagt sich meiner Meinung nach deshalb zu recht über die ausufernde Sonderbehandlung. In einem Interview, das ich für BIZZ energy today geführt habe, bezeichnet er Offshore als den neuen Transrapid und beziffert die Kosten für den geplanten Ausbau von 6,5 Gigawatt bis 2020 auf mindestens 40 Milliarden Euro. Besonders interessant finde ich den Systemaspekt, den Krawinkel anspricht. Da es eine hohe Übereinstimmung mit der Onshore-Windproduktion und sogar Solar gibt, sind die Netzausbaukosten auch an Land hoch. Gleichzeitig spart man sich wohl kein einziges Backup-Kraftwerk durch Offshore.

Klar, es sind zum Teil Anlaufschwierigkeiten, aber die Performance der Offshore-Windparks in der Nordsee ist mies. Bei einer installierten Leistung von bis zu 400 Megawatt (der Windpark von Bard wurde erst nach und nach ans Netz genommen) lag die erzeugte Leistung im Monatsschnitt in diesem Jahr immer drastisch darunter. Häufig fällt sie komplett auf null. Ich habe hier einmal kurz die Daten des Nordsee-Netzbetreibers Tennet monatlich zusammengefasst und eine Grafik erstellt.

Statt 400 Megawatt

Wenn bei der Erneuerbaren-Förderung der Markt eine Rolle spielen soll, dann hat er sein Urteil bereits gesprochen: Offshore-Windkraft unter den Bedingungen, wie sie in Deutschland verlangt werden, also mit Installationen weit draußen auf hoher See, ist schlicht nicht wettbewerbsfähig. Auch in Großbritannien, wo die Windparks näher am Ufer und in flacherem Wasser sind, bleiben die Kosten hoch, wie diese ausführliche und wohlmeinende britische Studie belegt. Und auch in Deutschland stellt die Offshore-Lobby in einer Studie lediglich Kostensenkungen um rund ein Drittel in Aussicht bis zum Anfang des kommenden Jahrzehnts. Das reicht schlicht und einfach nicht. Knapp zehn Cent pro Kilowattstunde auf 20 Jahre, das unterbietet Wind an Land schon jetzt an guten Standorten um die Hälfte und die Solarenergie bis Anfang des kommenden Jahrzehnts vermutlich auch (Nachtrag: In allen nur erdenklichen Installationsformen. Schon heute unterschreiten größere Solarparks die zehn Cent).

Zusammengefasst lässt sich sagen: Mit der Entscheidung, einzig und allein Offshore-Wind, der bald teuersten grünen Stromerzeugungsart, quasi einen Blankoscheck zu verschaffen, alle anderen grünen Technologien aber flächendeckend anzugreifen, schafft die Große Koalition schon vor dem Amtseid die nahtlose Anknüpfung an Schwarz-Gelb: Mit einer maximal irrationalen Energiepolitik. Das kann heiter werden, egal bei welchem Wetter.

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4 comments for “Sicher sind nur die Milliarden für Offshore-Wind

  1. Richard S.
    21. November 2013 at 18:45

    Das ist eine Fehlinformation! PV erhält schon jetzt deutlich uner 10 Cent/kwh.
    Bei Windkraft sind es 5,9 Ct an guten Standorten.
    Offshore mit 19 Ct ist hoffnungslos! Will die Grossindustrie etwa diesen Strom plus Steuern haben und bezahlen?!

    • Mats
      22. November 2013 at 00:08

      Offshore-Wind bekommt optional 19 ct. fur acht Jahre oder 15 für 12, danach 3,5 ct. Andere Technologien erhalten für 20 Jahre feste Vergütungssätze.
      Mit den 6,5 GW bis 2020 wird eine Lernkurve gewährt, die man Onshore und PV auch in der Vergangenheit gewährt hat, hier sollte man ehrlich sein.
      Wenn man Bard außen vor lässt, liefert Offshore an 340 Tagen im Jahr Strom bei einem Kapazitätsfaktor von rd. 50 Prozent, das schafft weder PV noch Onshore. Ein gewisser EE-Mix, z.B. auch mehr Wind in Süddeutschland, ist sicher sinnvoll für die Energiewende in D. In anderen Fällen versuche ich auch Risiken zu streuen bzw. zu diversifizieren.

      • Richard S.
        22. November 2013 at 10:26

        Eine Vergütung offshore von 3,5 Ct kann nicht mal die Wartungskosten von 4 Ct/kwh abdecken. Das ist also reines Wunschdenken.
        Nach 8 Jahren wird repowert oder mit blackout gedroht wenn die Vergütung nicht erhöht wird.

        PV und Windkraft hat von Beginn an eine jährliche Degression erfahren. Nur die offshore Energie nicht! Dort wurde von 12 Ct auf 19 Ct erhöht.
        An Land muß Netzanschluss und Ertragsausfall bis dieser gelegt ist selbst getragen werden, offshore nicht.
        Wird offshore Strom nach Süddtl transportiert kommen noch anteilige Stromnetzkosten plus Übertragungsverluste von 5-10% hinzu. Alleine Übertragungsverluste machen aus den 19 Ct schon 21 Ct.

        Auch offshore kann es 1-2 Wochen Windstille geben. Backup ist auch dafür nötig. Durch räumliche Diversifizierung kann dies verringert werden. Baut man Kúste und Meer mit WKA zu kann Wind in Süddtl nicht genutzt werden.
        Backup können nur Biomasse u. -gas zuverlässig liefern, hier muß endlich was getan werden. Offshore ersetzt keinen backup!

        M. Willenbacher hat dies in seinem Buch gut beschrieben, mit Text und Grafik.

  2. 24. November 2013 at 18:10

    Die installierte Leistung ist die maximal mögliche Leistung bei ausreichend starkem Wind. Zu beanstanden, dass diese Leistung in der Praxis nicht ständig erreicht wird, ist unsinnig.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger Paschotta
    RP-Energie-Lexikon

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