Was RWE wirklich über Offshore denkt

Bei RWE spart man sich die Rumdruckserei neuerdings. Solar? Der große Sieger. Unser Geschäftsmodell? Im Grunde kaputt, sagte Vorstandschef Peter Terium schon im Frühjahr in einer wirklich bemerkenswerten Rede, die ich jedem empfehle, der noch daran glaubt, dass sich bei den Energieriesen in den vergangenen Jahren nichts geändert hat. Diese Woche ließ sich RWE noch einmal tief in die Karten gucken. Bei einer Finanzkonferenz in London (wo man sich den auf das deutsche Publikum gerichteten politischen Firlefanz spart) setzte der Konzern auf die Rede von Terium noch eins drauf.

In Nordwest-Europa, dem Stammgebiet des Konzerns, erwartet RWE nicht weniger als eine Revolution der Energieversorgung. In einer Präsentation von Energiepolitik-Chef Peter Heinacher heißt es (Übersetzung von mir): „Photovoltaik wird höchstwahrscheinlich weiter wachsen. Die Entwicklung wird von der „Grid Parity“ angetrieben, weil PV heute oder in naher Zukunft lohnend ist im Vergleich zu Strom aus dem Netz.“

Der Knaller der Präsentation ist aber vor allem die Einschätzung von RWE zu Offshore-Windkraft. Denn während das Engagement bei PV erst anläuft, ist RWE ins Offshore-Geschäft dick eingestiegen, hat in Großbritannien und Deutschland Milliarden investiert und sogar zwei hochmoderne Installations-Schiffe angeschafft. Bislang gab sich RWE Mühe, Offshore ins rosa Licht zu rücken. Auf der Webseite des Konzerns ist nach wie vor die Erwartung formuliert, die Förderung von Offshore werde „langfristig zu niedrigen Preisen in der Stromerzeugung führen“. Das hört sich in der Präsentation ganz anders an. „Das Wachstum von Onshore/Offshore wird langfristig von Subventionen abhängen, mit großen Kostenvorteilen für Onshore“. Eine weitere Expansion sei zu erwarten.

Große Kostenvorteile für Onshore? Sicher, wer sich in der Energiewirtschaft ein bisschen auskennt, ist von dieser Einschätzung nicht überrascht. Sogar optimistische Studien rechnen lediglich damit, dass in den kommenden zehn Jahren mit Offshore das heutige Kostenniveau von Onshore erreicht werden kann. Hinzu kommen aber auch dann noch die gewaltigen Kosten für den Netzanschluss. Nun, da selbst RWE einräumt, dass Offshore, nicht nur keine Chance hat, ohne Subventionen auszukommen, sondern auch noch, um es klar zu sagen, sauteuer bleiben wird, dann hat einer der größten Investoren überhaupt die Sinnhaftigkeit von Offshore in Frage gestellt. Das ist, um im Bild zu bleiben, Wind auf die Mühlen der Kritiker.

Die neue Ehrlichkeit bei RWE scheint keine Grenzen zu kennen.

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1 comment for “Was RWE wirklich über Offshore denkt

  1. 18. Oktober 2013 at 03:53

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