Gerechtigkeit für das EEG

Eine zentrale Frage der kommenden EEG-Reform (die wohl länger auf sich warten lassen wird, als viele meinen) ist, welche neuen Kraftwerke nach welchem System gefördert werden sollen. Ein harter Verteilungskampf ist entbrannt, und die Politik richtet darauf derzeit ihr Hauptaugenmerk. Ein weiterer wichtiger Punkt wird dagegen zu wenig beachtet. Die Kostenverteilung und -transparenz. Dabei gibt es schon jetzt ein riesiges Defizit, und ein zweites kommt bald dazu.

Das erste Defizit hat Blog-Kollege Robert Werner bereits thematisiert: Die EEG-Umlage von 6,24 Cent überzeichnet die Kosten der Grünstromförderung inzwischen dramatisch. In der Rechnung fehlen vor allem die gesunkenen Börsenpreise, die durch die hohe Grünstromeinspeisung gedrückt werden. Das ist nicht nur ein Kommunikationsproblem, weil es den Energiewende-Kritikern eine überzeichnete Darstellung ermöglicht. Es geht auch um Gerechtigkeit, denn große, EEG-befreite Industriebetriebe profitieren stark von sinkenden Strompreisen, während die Gewerbe, die nichtbefreite Industrie und die Verbraucher über das EEG für diesen Effekt bezahlen. Das EEG ist auch eine riesige Umverteilungsmaschine von Klein zu Groß (und von sparsam zu energiehungrig).

Das zweite Gerechtigkeitsproblem wird sich in den kommenden Jahren zu einem Sprengsatz entwickeln, der mindestens so explosiv ist wie die EEG-Umlage selbst: Der Eigenverbrauch von Strom. Die Industrie verabschiedet sich mit eigenen Kraftwerken schon jetzt reihenweise aus der Solidargemeinschaft, die über Netzentgelte das Stromnetz (und bald vermutlich auch die großflächige Bereithaltung von Reservekraftwerken) finanziert und über das EEG die grüne Wende. Kleine „Prosumer“, die produzieren und konsumieren, werden folgen. Einen schönen Eindruck liefern die Balkonkraftwerke von Suninvention, die einfach in die Steckdose gestöpselt werden – und schon sinkt die Stromrechnung deutlich.

Die Denkfabrik Agora-Energiewende hat für ihren Vorschlag zur EEG-Reform ordentlich Kritik kassiert, die sich aber vor allem gegen die Vergütungshöhe richtete. Auch die mangelnde wissenschaftliche Grundlage kann man als Defizit empfinden. Doch die weniger beachteten Punkte zur Wiederherstellung von Solidarität sind gut argumentiert und setzen genau an den richtigen Stellen an: Mindestbeitrag zum EEG auch von Großverbrauchern, Nachweis des internationalen Wettbewerbs, Eigenerzeugung einbeziehen in die Finanzierung der Energie-Solidarsysteme.

Für die Grünstrombranche wäre mehr Transparenz und Fairness bei der Kostenverteilung nicht unbedingt ein Gewinn, darüber muss man sich klar sein. Eine niedrigere EEG-Vergütung und eine stärkere Beteiligung der Großindustrie würden die im Augenblick etwas populistische Kostendiskussion zwar entschärfen. Doch Klarheit beim Eigenverbrauch und den daraus entstehenden Kosten, die jeder halb unabhängige Verbraucher dem System aufbürdet, würde die Energiewende 2.0, den Boom der Eigenerzeugung, der in Deutschland bevorsteht, spürbar hemmen.

Es wäre meiner Überzeugung nach dennoch der richtige Weg. Man wird den Leuten nicht ewig vormachen können, dass eine Kilowattstunde Solarstrom so viel wert ist wie eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz, der 8760 Stunden pro Jahr zur Verfügung steht. Eine zweite krasse Fehlentwicklung wie die Solarblase von 2009 bis 2012 kann in niemandes Interesse liegen.

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1 comment for “Gerechtigkeit für das EEG

  1. Willi Stock
    15. Oktober 2013 at 01:39

    „Eine niedrigere EEG-Vergütung und eine stärkere Beteiligung der Großindustrie würde die im Augenblick etwas populistische Kostendiskussion zwar entschärfen.“

    Wo würde denn die stärkere Beteiligung der Großindustrie wieder landen, wenn nicht beim Konsumenten?

    Die Weitergabe der stark gesunkenen Börsenpreise an den Endverbraucher ist eine Forderung, die populistisch erscheint. Wir wissen, dass bei diesen Preisen die Fixkosten der Stromerzeuger, die das Netz am Leben halten, nicht mehr gedeckt werden, wollen sie aber dazu zwingen, künftig nicht mehr mal den wertvollen Grundlaststrom bezahlt zu bekommen?

    Eines dürfte aber klar sein: ohne weiteren Solarboom kann sich EE endlich von der Illusion 100% Erneuerbar verabschieden…

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