EEG-Umlage – ein Ritual mit Fehlern

Es ist inzwischen ein Ritual: die Bekanntgabe der EEG-Umlage für das Folgejahr. Laut Gesetzgeber für den 15. Oktober terminiert, wird sie nach den Spielregeln des Wettbewerbs der Medien in der Regel eine gute Woche früher öffentlich, „aus gut informierten Kreisen“. 6,3 Cent pro Kilowattstunde – ein Anstieg um einen Cent gegenüber der aktuellen Umlage, zzgl. 19% Mehrwertsteuer versteht sich. Ebenso verlässlich folgt nun die rituelle Diskussion darüber, ob die Umlage zu hoch oder angemessen ist, höher oder niedriger als erwartet ausfällt, Energiearmut auslöst oder langfristig Brennstoffkosten sparen hilft  – usw.

Wir werden diese Fragen sicher in den kommenden Wochen auch hier beim Phasenprüfer aufgreifen. Aber ein Einwurf zur aktuellen Berichterstattung hat es eilig: Kaum ein Bericht oder Kommentar, der nicht auf die sinkenden Großhandelspreise durch die erneuerbaren Energien als Ursache des Anstiegs hinweist, aber gleichzeitig die neue EEG-Umlage ohne Saldierung mit den gesunkenen Beschaffungspreises in voller Höhe als jährliche Zusatzbelastung für die Haushalte ausweist.

Das ist ein Widerspruch. Die Versorger profitieren seit ungefähr drei Jahren nachweislich von den sinkenden Großhandelspreisen – sowohl im Spot- als auch mit Verzögerung im Termingeschäft (also zum Beispiel Jahreskontrakte). Von 2009 bis 2013 fielen die Beschaffungskosten im Mittel um insgesamt etwa 1,44 ct/kWh, wie Energy Brainpool jüngst vorrechnete. Für das Jahr 2014 prognostizieren die Forscher eine mögliche Senkung der Beschaffungskosten zwischen 0,57 und 1,97 ct/kWh, was mit der nun steigenden EEG-Umlage bestätigt wird.

In der Folge müsste von dem einen Cent Anstieg der Umlage 0,7 ct/kWh durch gesunkene Beschaffungskosten kompensiert werden. Einen Teil davon werden gestiegene Netzentgelte wieder auffressen. Aber in Summe sind Großhandelspreise und EEG-Umlage längst nicht so stark gestiegen wie es die öffentliche Erregung glauben lassen mag. Insofern ist es unzureichend, die gestiegene EEG-Umlage in voller Höhe zu Zusatzkosten zu erklären.

Allerdings werden Stromanbieter diesen Vorteil bei der Beschaffung nur ungern freiwillig weitergeben. Die Margen im Vertrieb sinken, weil die Gewinnung und das Halten von Kunden immer teurer werden. Das ist ein unterschätztes Problem für die Branche, kann aber dem Kunden erst einmal egal sein. Bei ihm müssen die sinkenden Marktpreise allerdings ankommen. Nur: diesen Preisvorteil muss er sich wohl aktiv holen. Also auf zum nächsten Ritual, dem Stromanbieterwechsel. Jedes Jahr zur Adventszeit.

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1 comment for “EEG-Umlage – ein Ritual mit Fehlern

  1. 11. Oktober 2013 at 08:21

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich möchte gerne noch einen Punkt ergänzen:

    Es gibt ein weiteres Ritual, das mit der Verkündung der EEG-Umlage im Oktober verbunden ist: Die scheinbar transparente Erhöhung der Stromtarife. Kein normaler Stromkunde, der über kein Expertenwissen in der Energiewirtschaft verfügt, hinterfragt die Preiserhöhung, schließlich wurde er von der Presse ausführlich über die Zusatzbelastung, die auf ihn zukommt, „aufgeklärt“, wie Robert Werner in dem Beitrag zutreffend erläutert.

    Und in diesem Jahr ist dies ganz besonders der Fall. Nicht nur die Presse hat „aufgeklärt“, auch und ganz besonders der zuständige Umweltminister hat – sozusagen von amtlicher Seite – seit Februar die Stromkunden auf die Strompreiserhöhung vorbereitet. Wieso sollte man als Otto Normalverbraucher also die Tariferhöhung hinterfragen und sich die Mühe machen, im Internet nach günstigeren Tarifen zu recherchieren?

    Abhilfe schafft hier nur die Umstellung des Ausgleichs- (Wälzungs-) Mechanismus. Wir müssen weg von der finanziellen Wälzung und statt dessen den Strom aus den Erneuerbaren Energien in die Portfolien der Stromvertriebe integrieren, damit sie Bestandteil der Strombeschaffung werden und Wettbewerb um die bestmögliche Integration entsteht. Eine verpflichtende Direktvermarktung nach dem Marktprämienmodell wird dagegen das Problem nicht lösen.

    Daniel Hölder, Clean Energy Sourcing, Leipzig

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