Stromexport Deutschlands erreicht immer neue Rekorde (aktualisiert)

Deutschland hat 2014 erneut einen Rekord beim Stromexport aufgestellt. Nie zuvor wurden so viel Elektrizität exportiert, und nie zuvor gab es einen so hohen Überschuss an Strommengen wie im Vorjahr. Die Erlöse aus dem Stromexport gingen allerdings aufgrund sinkender Strompreise leicht zurück, und auch die Preisdifferenz zwischen dem höherwertigen Exportstrom im Vergleich zum Importstrom ist gesunken. Doch nach wie vor bringt der Strommarkt den Deutschen per Saldo erhebliche Einnahmeüberschüsse, sie lagen 2014 bei 1,75 Milliarden Euro. Dies geht aus einer Auswertung der Datenbank des Statistischen Bundesamts (Destatis) durch den Phasenprüfer hervor. Auch in diesem Jahr setzt sich der Trend fort: Im ersten Halbjahr 2015 wurden laut den Destatis-Daten gut 40 Terawattstunden (TWh) Elektrizität exportiert, dagegen nur rund 17 TWh importiert. Sowohl bei der Gesamtmenge als auch beim Exportüberschuss bahnt sich ein weiteres Rekordjahr an. Ob es so kommt, muss man jedoch erst noch einmal abwarten.

Auf 2014 kann man jedoch einen abschließenden Blick werfen und mit der Vergangenheit gut vergleichen. Deshalb habe ich den Blick bei der Auswertung vor allem auf langfristige Trends gerichtet und einige Grafiken aus den Rohdaten erstellt.

Der Stromexport hat 2014 erneut knapp einen Rekord aufgestellt. Er lag bei rund 74 TWh, gut 2 TWh mehr als 2013. Im Vergleich zum Jahr des Atomausstiegs 2011 ist das ein drastischer Anstieg um rund 20 TWh. Importiert wurden dagegen nur knapp 38 TWh. Der Überschuss lag damit bei 36 TWh, was etwa dem halben Stromverbrauch Österreichs entspricht. Oder, anders betrachtet: Es wird fast doppelt soviel ex- wie importiert. Die Stromleitungen ins Ausland sind keine Einbahnstraßen (bis auf die Leitungen in die Niederlande, die fast nur zum Export dienen), aber der Gegenverkehr ist deutlich dünner. Zum Vergleich: Seit dem Jahr 2011, als die ältesten acht Atommeiler zwangsabgeschaltet wurden, hat sich der Exportüberschuss versechsfacht. Historisch betrachtet sind solche Zustände in ihrer Größenordnung allerdings auch nicht gänzlich unbekannt: 2006 lag der Exportüberschuss bei rund zwei Dritteln des heutigen Wertes.

Außenhandel Deutschlands mit Elektrizität

Handelsbilanz Strom in Terawattstunden

Quelle: Destatis, eigene Berechnungen

Der Stromexport trägt damit seinen Teil zum sehr hohen Außenhandelsüberschuss Deutschlands bei. Der Überschuss im Handel mit Elektrizität lag 2014 bei gerundet 1,75 Milliarden Euro, das sind immerhin 22 Euro pro Bundesbürger. Strom für 3,45 Milliarden Euro wurde ins Ausland verkauft, während 1,71 Milliarden Euro für Importe bezahlt werden mussten. Das ist etwas weniger als noch im Rekordjahr 2013, als der Außenhandelsüberschuss bei 1,94 Milliarden Euro lag.

Außenhandelsbilanzüberschuss Strom

 Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Destatis

Aus den physikalischen Handelsströmen und den Export- und Importeinnahmen des Destatis lässt sich auch der durchschnittliche Export- und Importpreis für Strom berechnen, er liegt bei gut viereinhalb Cent pro Kilowattstunde. Interessant: Nach wie vor erzielt Deutschland pro Kilowattstunde beim Verkauf ins Ausland einen höheren Preis als andersherum. Davon, dass wir unseren Strom ins Ausland „verschenken“ müssen, kann trotz in wenigen Stunden pro Jahr negativer Strompreise an den Handelsplätzen also keine Rede sein. Der nach wie vor etwas höhere Exportportreis im Vergleich zum Import pro Kilowattstunde zeigt, dass trotz Energiewende und des massiven Ausbaus fluktuierender Grünstromquellen vergleichsweise „hochwertiger“ Strom in Deutschland produziert wird, der gut bezahlende Abnehmer findet. Allerdings ist der Überschuss pro Kilowattstunde tendenziell eher gesunken. 2006 lag er bei mehr als einem Cent pro Kilowattstunde, dieser Wert ist mittlerweile auf etwa ein Siebtelcent geschrumpft. Insgesamt ging es sowohl mit den Export- wie Importpreisen bergab, was angesichts des massiven Preisverfalls bei Strom auch keine Überraschung darstellt.

Export- und Importpreise Strom

 Quelle: Eigene Berechnungen basierend auf Destatis

Was sagen uns die Ergebnisse insgesamt? Zunächst einmal, dass sich die Befürchtungen, Deutschland werde durch den Teilausstieg aus der Atomkraft von Stromimporten aus dem Auslang abhängig, als Unsinn herausgestellt haben. Das Gegenteil ist eingetreten: Die Stromexporte steigen durch die Energiewende immer weiter an. Da zum Beispiel der deutlich gesteigerte Solarstrom trotz eines langfristig drohenden starken Preisverfalls zur Mittagsspitze nach wie vor relativ hohe Verkaufspreise an der Börse erzielen kann, hat der Ausbau der erneuerbaren Energien zu einem Stromexportschub geführt. Auch die Windkraft liefert tendenziell tagsüber mehr Strom. Die ausländischen Märkte können sich also genau zu den Zeiten, wo die Nachfrage und damit die Preise relativ hoch sind, am dann vergleichsweise günstigen deutschen Markt bedienen.

So interessant die Zahlen sind – es ist wichtig, zu beachten, dass es sich dabei um bilanzielle Ergebnisse handelt. Sie sagen zum Beispiel wenig darüber aus, ob der deutsche Kraftwerkspark jederzeit die Nachfrage problemlos bedienen kann und erst recht liefern sie keine Aufklärung über regionale Defizite. Auch im Krisenjahr 2012, als es in Süddeutschland sehr eng wurde mit der Stromversorgung, was schließlich zum Abschaltverbot für Kraftwerke führte, wurden zum Beispiel deutliche Exportüberschüsse erzielt. Die pauschale Aussage, die Stromexporte belegten, dass die Energiewende keinerlei Probleme bei der Versorgungssicherheit mit sich bringe, ist jedenfalls aufgrund dieser Zahlen nicht zu treffen.

Interessant wäre im Übrigen die Auswertung der Handelsbilanzen mit einzelnen europäischen Nachbarländern und insbesondere die saisonalen Schwankungen. Eine erste stichprobenartige Auswertung der Zahlen hat bestätigt, dass die alten zentraleuropäischen Handelsströme weiter intakt sind. Deutschland versorgt zu erheblichen Teilen die Niederlande mit Strom und hilft im Winter Frankreich dabei, seine durch Stromheizungen in absurde Höhen getriebene Spitzenlast zu decken.

Thorsten Zoerner hat auf seinem blog.stromhaltig.de eine gute Übersicht über die Verteilung innerhalb des Jahres und die Stromimport und -exportmengen in der Aufschlüsselung nach Ländern erstellt. Die Auswertung basiert anders als diese Analyse auf den Zahlen der europäischen Stromnetzbetreiber (Entso-E), die nicht die Finanzströme im Außenhandel mit Strom erfassen.

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4 comments for “Stromexport Deutschlands erreicht immer neue Rekorde (aktualisiert)

  1. ruedi
    20. April 2015 at 18:45

    Guter Bericht, doch eins fällt mir auf: Das sog Krisenjahr 2012 war doch das Jahr als Gaskraftwerke runtergefahren werden mußten weil sie nicht vorrangig mit Erdgas beliefert wurden. Ausserdem gabs damals unvorhergesehene Ausfälle bei konv. Kraftwerken, u.a. beim AKW Grundremmingen.
    Also mit der Energiewende, wie im Text unterstellt wird, hat das nichts zu tun! Das sind ganz andere Versäumnisse.

    • 9. Mai 2015 at 15:59

      @ ruedi
      ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihre Äußerung richtig verstanden habe. Aber zwei Anmerkungen:
      1. Die Drosselung der Gaslieferungen in den kalten Tagen Anfang Februar 2012 dauerte nur kurz und macht sich in der Jahresbilanz kaum bemerkbar. Auch die störungsbedingte Abschaltung des AKW Gundremmingen geht in der Bilanz der Jahresstromproduktion nahezu unter.
      2. Das hier gelegene größte und gefährlichste Kernkraftwerk Deutschlands ist das AKW Gundremmingen, ohne r geschrieben wie Gundelfingen oder Gundula.
      Raimund Kamm

  2. 21. November 2015 at 21:57

    hellonice wduyop :-)

  3. Mathias
    1. Juni 2016 at 19:44

    Könntest du bitte einen Link zu den Daten vom Statistischen Bundesamt posten?
    Ich finde auf deren Seite leider nicht die originalen Daten.

    Die Idioten bringen immer wieder, dass wir angeblich so viel Windstrom exportieren… Dabei ist doch Strom Strom. Vermutlich haben die was geraucht und riechen jetzt Unterschiede beim Stromexport^^

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